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Die Europäische Kommission fördert den Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Christian Tietje von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erneut mit einem ihrer renommierten Jean-Monnet-Lehrstühle. Im Zentrum der dreijährigen Förderung stehen die EU-Handelspolitik sowie die wirtschaftliche Sicherheit der Europäischen Union. Die EU unterstützt die Arbeit mit 60.000 Euro im Rahmen der sogenannten Jean-Monnet-Aktionen für exzellente Lehre und Forschung zu Europa. Für Tietje ist es die zweite Förderung in dem Programm. „Traditionell ist die Handelspolitik der Europäischen Union auf Freihandel ausgelegt, also auf den freien Austausch von Gütern zwischen Staaten. In jüngerer Zeit lässt sich aber eine Absage an dieses System beobachten“, sagt Prof. Dr. Christian Tietje. Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine hätten gezeigt, wie verletzlich globale Lieferketten sind. Prominente Beispiele für kritische Lieferengpässe sind Computerchips und Medikamente, die nur noch außerhalb Europas produziert werden. „Die EU strebt nun eine sogenannte offene strategische Autonomie an, also eine Balance zwischen Unabhängigkeit und internationalen Kooperationen. Das ist politisch, ökonomisch und rechtlich äußerst kompliziert“, so Tietje weiter. Sein Team untersucht im Rahmen der Monnet-Förderung, wie sich diese widersprüchlichen Ansprüche im Handelsrecht und der Handelspolitik der EU widerspiegeln. Dazu zählen etwa Handelsschutzmaßnahmen, Exportkontrollen, Investitionsprüfungen, Sanktionen, Lieferketten und Technologiepolitik, aber auch nachhaltigkeitsbezogene Maßnahmen sowie Beziehungen zu wichtigen globalen Partnern. „Außerhalb eines engen Expertenkreises ist das Wissen über diese Themen sehr begrenzt“, sagt Tietje. Dabei sei die wirtschaftliche Sicherheit zu einem Kernkonzept geworden: 2024 hat die Europäische Kommission erstmals einen EU-Kommissar für Handel und wirtschaftliche Sicherheit berufen. Um Wissenslücken zu schließen, planen die Forschenden zahlreiche Maßnahmen: Lehrveranstaltungen, virtuelle Konferenzen, Forschungskooperationen, ein Austauschprogramm für Forschende aus dem Ausland sowie Informationsangebote für die Politik. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Arbeit von Tietje mit einem Monnet-Lehrstuhl gefördert wird. Zuvor hatte die Europäische Kommission seinen ersten Monnet-Lehrstuhl mit dem Titel „EU-werteorientierte Nachbarschaft und Handelspolitik“ gefördert. Damals initiierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem eine Podcast-Reihe und eine Veranstaltungsreihe zur Zukunft der EU. Außerdem waren sie auf mehreren internationalen Konferenzen vertreten und haben ihre Expertise in der neu gegründeten Reihe „Jean Monnet Policy Papers on Transnational Law“ veröffentlicht. Die Europäische Kommission vergibt Jean-Monnet-Lehrstühle, um Forschung, Lehre und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem europäischen Einigungsprozess zu befördern. Benannt sind die Lehrstühle nach dem französischen Unternehmer Jean Monnet (1888-1979). Als Autor des als Schuman-Plan bekannt gewordenen Grundsatzprogramms gilt Monnet als einer der wichtigsten Initiatoren und Gestalter des europäischen Integrationsprozesses. Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
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